ÖGB-Europabüro

Frühjahrsprognose der EU-Kommission 2020

Coronakrise führt zu drastischen Rückgang der Wirtschaftsleistung in allen Mitgliedstaaten


Die EU-Kommission stellte am Mittwoch ihre jährliche EU-Frühjahrsprognose vor. Die Vorschau ist düster: Die Wirtschaft im Euroraum könnte dieses Jahr um 7,75% schrumpfen und sich auch im nächsten Jahr nicht vollständig erholen. Der italienische Wirtschaftskommissar Paolo Gentiloni, dessen Heimatland eines der am härtesten von der Corona-Pandemie getroffenen Länder in Europa ist, brachte die Situation während der Pressekonferenz schon im ersten Satz auf den Punkt: „Europa erlebt derzeit einen wirtschaftlichen Schock, wie wir ihn seit der Großen Depression nicht mehr erlebt haben.“ Doch schon im nächsten Jahr dürfte es nach den Schätzungen der Kommission wieder um 6,3% bergauf gehen. Der Kommissionsbericht weist jedoch darauf hin, dass man das Ausmaß des Abschwungs durch die Folgen des Coronavirus derzeit nur abschätzen könne, also alle Zahlen ohne Gewähr. Für die 27 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union insgesamt sagt die Prognose für 2020 ein Minus von 7,5 % beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) voraus und für 2021 ein Wachstum von etwa 6%.

Europas Schere zwischen arm und reich wird weiter auseinanderklaffen 
 
Die Coronakrise birgt die Gefahr, dass sich die wirtschaftlichen Divergenzen in der EU weiter ausweiten werden. Obwohl es sich bei der Pandemie um einen symmetrischen Schock handelt, sind die Auswirkungen von Mitgliedstaat zu Mitgliedstaat unterschiedlich, was die Schwere der Pandemie und die Strenge der damit verbundenen Eindämmungsmaßnahmen, die unterschiedliche Gefährdung z.B. aufgrund der Größe des Tourismussektors und den verfügbaren Spielraum für gesamtwirtschaftliche fiskalpolitische Reaktionen widerspiegelt. Die griechische Wirtschaft wird voraussichtlich die tiefste Rezession von allen erleben, mit einem Wirtschaftseinbruch von mehr als 9%.
 
EU-Prognose: Österreichs BIP bricht 2020 um 5,5% ein

Auch für Österreich hat die EU-Kommission die Wachstumsaussichten aufgrund der Coronakrise drastisch gesenkt. Laut der Frühjahrsprognose soll das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in diesem Jahr um 5,5% abstürzen und im Jahr 2021 wieder um 5% wachsen. Im Vergleich: In der Winterprognose im Februar war die EU-Kommission noch von einem Wachstum der Wirtschaftsleistung in Österreich von 1,3% ausgegangen. Die Staatsverschuldung in Österreich soll 2020 um mehr als 8% auf 78% steigen (in der Eurozone auf 102,7%). Die Gründe für den Rückgang der Wirtschaftsleistungen in Europa (bzw. weltweit) sind identisch: Sinkende Beschäftigung und Unternehmensgewinne, die die öffentlichen Einnahmen aus Einkommens- und Körperschaftssteuern einbrechen lassen, Corona-Rettungspakete für Unternehmen und die Kurzarbeit sowie der zusätzliche Kauf von medizinischer Ausrüstung lassen die öffentlichen Ausgaben auch in Österreich im laufenden Jahr kräftig steigen. Die Haushalt-Auswirkungen der COVID-19-Maßnahmen würden sich der Kommission zufolge in Österreich auf 15 Mrd. Euro (4% des BIP) belaufen. 
 
Drastischer Anstieg der Arbeitslosenzahlen trotz schneller Maßnahmen 

Trotz der schnellen politischen Reaktion bei der Einrichtung von Kurzarbeitsregelungen in Österreich, sind die Auswirkungen der Krise auf den Arbeitsmarkt bereits immense. Die EU-Behörde bezieht sich auf die Zahlen vom März und schlussfolgert, dass die Zahl der registrierten Arbeitslosen um 50% auf über 500.000 in Österreich angestiegen ist, wobei alle Sektoren und insbesondere die Dienstleistungen betroffen sind.
 
EGB fordert ehrgeizigen Wiederaufbauplan für Europa 

Als Reaktion auf die Wirtschaftsprognose der Europäischen Kommission für das Frühjahr 2020 fordert der EGB-Generalsekretär Luca Visentini die Kommission auf, nicht dieselben Fehler wie in der Krise von 2008 zu wiederholen. „Die heutige Prognose bestätigt, dass Europa vor der tiefsten Rezession in seiner Geschichte steht, was bedeutet, dass die einzig logische Antwort darin besteht, das ehrgeizigste Konjunkturprogramm auf den Weg zu bringen“, so Visentini. Europa müsse die Lehren aus dem Jahr 2008 ziehen, indem es öffentliche Investitionen unterstützt, um die für ein erneutes Wachstum erforderliche wirtschaftliche Nachfrage zu schaffen, anstatt weitere Sparmaßnahmen zu verfolgen, die den Aufschwung verhindern würden.
 
Die wichtigsten Hauptbotschaften der Frühjahrsprognose 2020 auf einen Blick:
  • Arbeitslosenzahlen und Schuldenstände in Europa erreichen neue Rekordhöhen;
  • Österreichs BIP sinkt 2020 um 5,5%;
  • Wirtschaft in der Eurozone schrumpft um 7,775% und EU 27 um 7,5%;
  • Schock der Pandemie trifft zwar alle EU-Staaten, aber das Minus bei der Wirtschaftsleistung ist unterschiedlich - 4,25% in Polen bis zu 9,75% in Griechenland;
  • EU-Prognose zeigt: Österreich steht in Coronakrise im Vergleich mit Partnerländern sehr gut da, nur Polen und Luxemburg steigen wirtschaftlich besser aus. Aber: Immenser Anstieg der Arbeitslosenzahlen;
  • Auch Erholung der Mitgliedstaaten wird laut EU-Prognose 2021 unterschiedlich ausfallen. Faktoren werden sein: Tempo bei der Aufhebung der Corona-Auflagen, Abhängigkeit der Volkswirtschaften vom Tourismus und die finanziellen Spielräume im Haushalt;
  • Gewerkschaften fordern robustes, umfangreiches und noch nie dagewesenes Konjunkturpaket, damit die EU-Länder wieder auf die Beine kommen.
     
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