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ÖGB-Europabüro

ÖGB-Europa-Veranstaltung mit Bernhard Achitz: Soziale Sicherheit in Europa

LSE-Studie: Gutes Zeugnis für österreichisches Gesundheitssystem

 

ÖGB, AK EUROPA und die Friedrich –Ebert-Stiftung luden letzte Woche zu einer Veranstaltung, um die Sozialversicherungssysteme in Europa zu diskutieren. Die Versicherungsträger vieler Mitgliedstaaten stehen immer wieder in der Kritik, zu ineffizient oder zu teuer zu sein. Auch Österreich ist hier keine Ausnahme. So hebt der aktuelle Kommissionsbericht „State of Health in the EU 2017“ zwar einerseits den guten Zugang zu Gesundheitsleistungen in Österreich hervor, weist aber gleichzeitig auch auf die vergleichsweise hohen Kosten hin. In der nationalen Debatte wird das Kostenargument immer wieder dazu missbraucht, soziale Sicherungssysteme zu schwächen oder in Frage zu stellen, häufig zugunsten privater marktbasierter Modelle.

Eine vom österreichischen Sozialministerium beauftragte Effizienzstudie der London School of Economics (LSE), die zum ersten Mal vom Projektleiter Professor Mossialos in Brüssel vorgestellt wurde, vergleicht die Situation in verschiedenen europäischen Ländern und stellt Österreich ein gutes Zeugnis aus: Mit einem hohen Leistungsniveau und vergleichsweise geringen Verwaltungskosten der Sozialversicherung steht Österreich besser da als Länder mit ähnlichen Systemen, wie die Niederlande, Belgien oder Deutschland.


Kosteneffizient, ausgezeichnete Gesundheitsversorgung

Professor Mossialos von der London School of Economics betonte in seiner Präsentation die Vorzüge des österreichischen Sozialversicherungssystems. Besonders wichtig: Die Versicherten sind sehr zufrieden. Österreich hat die weltweit geringste Rate ungedeckten medizinischen Bedarfs. Die  im Vergleich nur durchschnittlich gute Volksgesundheit ist auf die verspätete Einführung präventiver Maßnahmen (welche allerdings in den letzten Jahren gut ausgebaut wurden) und die hohe Anzahl an RaucherInnen zurückzuführen.


Geringe Verwaltungskosten

Auch die Kosten der österreichischen Sozialversicherung liegen nur leicht über dem EU-Durchschnitt, der allerdings durch osteuropäische Länder wie Bulgarien mit deutlich niedrigerem Bruttoinlandsprodukt gesenkt wird. In anderen westlichen Ländern wie Deutschland, den Niederlanden oder der Schweiz sind die Sozialversicherungskosten deutlich höher. Auch die Verwaltungskosten sind gemäß der Studie in Österreich mit 2,69 % relativ gering, in Großbritannien betragen sie zum Beispiel ca. 4 %.

 Verbesserungsbedarf erkennt Professor Mossialos bei der Einheitlichkeit der angebotenen: Leistungen. Trotz vieler Angleichungen in den letzten Jahren gibt es noch immer Unterschiede bei zahnmedizinischen, psychologischen und physiotherapeutischen Leistungen sowie den Wartezeiten bei den einzelnen Sozialversicherungsträgern. Die Studie analysiert fünf verschiedene Reformoptionen, die von einer Zusammenlegung aller Sozialversicherungsträger bis zu strukturellen Anpassungen im bestehenden System reichen.


Achitz: Funktionierendes System muss erhalten bleiben

Bernhard Achitz, Leitender Sekretär des ÖGB und seit 2006 erster stellvertretender Vorsitzender des Verbandsvorstandes im Hauptverband der Österreichischen Sozialversicherungsträger, lobte die Studie. Mit ihr sei es möglich, auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse das gut funktionierende System weiter zu verbessern. Von der Politik hingegen würden immer nur die Schwächen des Systems in den Vordergrund gerückt und der falsche Eindruck erzeugt, eine reine Organisationsänderung könne diese beseitigen. Die Herausforderung sei aber vielmehr das funktionierende System zu erhalten und zu verbessern.

 Auch die Kommission sei gefordert: „Sie muss klarstellen, dass gute Gesundheitsversorgung ein europäischer Wert ist.“ Die Europäische Soziale Säule müsse freien und gleichen Zugang zu hochwertigen Gesundheitsdienstleistungen garantieren.


DGB-Ziel: Gute Gesundheitsversorgung für alle Menschen

Markus Hofmann, Abteilungsleiter für Sozialpolitik im Deutschen Gewerkschaftsbund, stellte einen Vergleich zum deutschen System her. Viele Deutsche blicken in manchen Bereichen neidvoll nach Österreich, etwa weil in Deutschland die Wartezeiten  für Nicht-Privatversicherte für bestimmte Verfahren und Behandlungen sehr lang seien. Als Folge erwartet er negative Auswirkungen auf die Gesundheit dieser Menschen und aus diesem Grund ist die Sozialversicherung gerade Thema in den kommenden Koalitionsverhandlungen. Die aktuelle politische Diskussion in Österreich könne er insofern nicht nachvollziehen, da eine Änderung von Organigrammen keine Verbesserungen bringe. Ziel der Sozialversicherungssysteme müsse es vielmehr sein, Gesundheitsleistungen für alle Menschen in bester Qualität zugänglich zu machen und die Leistungen weiter zu verbessern.

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