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"Workers‘-Voice-Breakfast": Soziale Rechte auf globaler Ebene

Unternehmen mit Mitbestimmung sind innovativer und wettbewerbsfähiger

Bei einem von der Hans Böckler Stiftung organisierten arbeitsfrühstück im Rahmen der Initiative „Workers‘ Voice“ wurde in dieser Woche über die soziale Verantwortung von transnationalen Unternehmen in Zeiten der Globalisierung und die Schwierigkeiten des ArbeitnehmerInnenschutzes über verschiedene Ländergrenzen hinweg diskutiert. Die Debatte wurde von Henning vom Stein (Otone European Public Affairs) geleitet, Ehrengast war Albert Kruft (Europäischer Betriebsrat, Solvay GmbH).

Die Initiative will der politischen Ebene in Brüssel Beispiele einer an sozialen Rechten ausgerichteten Unternehmensführung näherbringen, so Norbert Kluge von der Hans Böckler Stiftung. Dadurch soll die Politik für die Herausforderungen im Bereich des ArbeitnehmerInnenschutzes sensibilisiert werden, die die zunehmende Globalisierung mit sich bringt. Denn global agierende Unternehmen hätten dafür Sorge zu tragen, dass ArbeitnehmerInnen in allen Ländern, in denen diese Unternehmen tätig sind, zumindest in den Genuss grundlegender sozialer Rechte kommen.

Angleichung der Schutzstandards durch globale Rahmenvereinbarungen

Zentrales Element beim sozialen Dialog auf globaler Ebene sind sogenannte „Globale Rahmenvereinbarungen“, die transnationalen Unternehmen einen Leitfaden für eine sozial gerechte Unternehmenspolitik vorgeben und die Interessen der in diesen Unternehmen tätigen ArbeitnehmerInnen schützen. Sie werden zwischen globalen oder europäischen Gewerkschaftsverbänden und den jeweiligen Unternehmen ausgehandelt und beinhalten etwa Regelungen über Rechte und Einbindung der Gewerkschaften, Gesundheit und Arbeitszeit. Sie gelten für die ArbeitnehmerInnen des betreffenden Unternehmens weltweit.

Als Beispiel einer solchen Vereinbarung nennt Albert Kruft die freiwillige Etablierung des „Solvay Global Forum“, welches als ständiges Gremium den sozialen Dialog zwischen den VertreterInnen der 30.000 Beschäftigten der Solvay GmbH und dem Management stärken will. Durch die Initiative „Solvay Cares“ sollen ab April 2019 alle MitarbeiterInnen weltweit von sozialen Mindestleistungen profitieren.

Sozialer Dialog braucht gegenseitiges Vertrauen

„Vertrauen heißt Transparenz“, erläuterte Albert Kruft. Für ihn ist die Basis einer sozialen Verantwortung Vertrauen und Kommunikation zwischen der Leitung des Unternehmens und seinen ArbeitnehmerInnen. Es sei unumgänglich, ArbeitnehmerInnen über die unternehmensinternen Vorgänge zu informieren und in Entscheidungen miteinzubeziehen.

Einigkeit bestand bei der anschließenden Debatte darin, dass die Anliegen und Anregungen der MitarbeiterInnen Gehör finden sollten. Ein funktionierender sozialer Dialog innerhalb eines Unternehmens ist für Alber Kruft ein Schlüsselindikator für wirtschaftlichen Erfolg - ohne diesen Input könne kein Unternehmen auf Dauer funktionieren. Unternehmen mit starker ArbeitnehmerInnenbeteiligung seien darüber hinaus innovativer und daher wettbewerbsfähiger. Eine Demokratisierung auf Unternehmensebene mache es außerdem erforderlich, sowohl ArbeitnehmerInnen als auch ArbeitgeberInnen in sozialen Rechten zu schulen. Dies sei für Kruft eine „Win-win-Situation“.

Die Globalisierung als Chance?

Die zunehmende Globalisierung macht die Sicherstellung von nachhaltigem Wachstum und sozialer Gerechtigkeit zur großen Herausforderung, die nur von ArbeitnehmerInnen und ArbeitgeberInnen auf nationaler, europäischer und globaler Ebene in kooperativer Weise bewältigt werden kann. Die EU muss aus diesem Grund auf die dadurch bewirkten Entwicklungen in der Arbeitswelt reagieren und einen rechtlichen Rahmen sowie strengere Regelungen in Bezug auf Beteiligung und Mitbestimmung von ArbeitnehmerInnen in der Unternehmenspolitik sicherstellen. Nur so kann die Globalisierung nicht als Bedrohung für die Gesellschaft, sondern als Chance des weltweiten Ausbaus von arbeitsrechtlichen Schutzbestimmungen gesehen werden.

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