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Internationaler Frauentag 2018: Wir feiern 100 Jahre Frauenwahlrecht in Österreich

Weltweit keine Selbstverständlichkeit


Anlässlich des diesjährigen Internationalen Frauentag am 8. März widmet sich das ÖGB Europabüro Brüssel dem Frauenwahlrecht. Was für viele Europäerinnen heute eine Selbstverständlichkeit ist, war lange Zeit in der Geschichte Europas ein Tabuthema. In einigen außereuropäischen Staaten besitzen Frauen erst seit Kurzem das aktives und passives Wahlrecht.


100 Jahre Frauenwahlrecht in Österreich


In Österreich erlangten die Frauen das aktive und passive Wahlrecht zeitgleich mit dem Ausrufen der Republik Österreich am 12. November 1918. Durch das Gesetz über die Staats- und Regierungsform von Deutschösterreich, indem die Republik Österreich proklamiert wurde, wurde auch erstmals in der Österreichischen Geschichte das Frauenwahlrecht gesetzlich verankert. Artikel 9 legt das „geheime Stimmrecht aller Staatsbürger ohne Unterschied des Geschlechts“ fest. 


Das Frauenwahlrecht im europäischen Vergleich

Im Europäischen Vergleich war Österreich, mit der Einführung des Frauenwahlrechts, zum damaligen Zeitpunkt, bereits fortschrittlich.  Nur in Finnland und Dänemark war das Frauenwahlrecht bereits zu einem früheren Zeitpunkt in der Gesetzgebung verankert. Kaum zu glauben, aber in Europa sind die Schlusslichter Portugal, die Schweiz und Liechtenstein. In Liechtenstein dürfen Frauen erst seit 30 Jahren wählen! Aber auch die Schweiz hat das Frauenwahlrecht erst 1971 eingeführt! 

Frauenwahlrecht weltweit

Doch wie sieht es in den anderen Staaten der Welt aus? Vorreiter des Frauenwahlrechts waren Neuseeland und Australien. Als erstes Land weltweit gewährte Neuseeland 1893 Frauen das Wahlrecht. Gefolgt von Australien wo Frauen neun Jahre später das Recht zu wählen erwarben, wobei jedoch damals die Ureinwohner Australiens, die Aborigines, davon ausgeschlossen blieben. Die Schlusslichter bilden Kuwait, die Vereinigten Arabischen Emirate und Saudi-Arabien. Erst seit 2015 sind Frauen in Saudi-Arabien als Wählerinnen und Kandidatinnen zu Kommunalwahlen zugelassen. Man kann somit klar erkennen, dass das Frauenwahlrecht, so wie wir es heute kennen, keine Selbstverständlichkeit darstellt.


Gleichstellung jedoch auf allen Ebenen notwendig

Anlässlich des historischen Ereignisses von 100 Jahren Frauenwahlrecht in Österreich und Deutschland ruft auch der Deutsche Gewerkschaftsbund auf, nicht nur im Wahlrecht Frauen und Männer gleichzustellen, sondern auf allen Ebenen der Politik, Gesellschaft und Wirtschaft. Der DGB mahnt, dass beispielsweise auf politischer Ebene immer noch zu wenig Frauen vertreten sind.


Frauenquote auf politischer Ebene

Wie sieht es beispielsweise mit der Frauenquote auf EU Ebene aus? Die derzeitige Juncker Kommission (2014-2019), bestehend aus insgesamt 28 KomissarInnen, ist durch nur 9 Frauen vertreten. Im Europäischen Parlament überwiegt auch der Anteil an männlichen Abgeordneten. 2017 waren von den insgesamt 751 EU Abgeordneten, 470 männlich und 281 weiblich (37,4%). Auch hier überwiegen mehrheitlich die Männer. Im Österreichischen Nationalrat finden wir ein ähnliches Verhältnis vor:  Von den 183 Abgeordneten des Nationalrats sind derzeit 65 Frauen (35,52 %). Die höchste Frauenquote ist bei der Sozialdemokratischen Partei Österreichs, gefolgt von der Österreichischen Volkspartei zu finden. Im EU Parlament gibt es derzeit acht Fraktionen. Die Geschlechterverteilung zeigt, dass in der Fraktion GUE/NGL (Europen United Left/ Nordic Green Left) ein Frauenanteil von 50% besteht gefolgt von der Fraktion der S&D (Fraktion der Progressiven Allianz der Sozialdemokraten) wo ein Frauenanteil von rund 46% besteht. Besonders schlecht schneidet die Fraktion EKR (Fraktion der Europäischen Konservativen und Reformer) sowie die evp (Fraktion der Europäischen Volkspartei/Christdemokraten) ab. Eine detaillieret Darstellung bietet die Studie Frauen im Europäischen Parlament.


Fazit


In den letzten Jahren wurde bereits viel erreicht, jedoch stehen Frauen noch immer vor ungelösten Problemen wie: geringeren Karrierechancen, schlechter bezahlten Berufen und geringeren Renten als Männer. Beispielsweise verdienen im Schnitt Frauen die vollzeitbeschäftigt sind in Österreich 21,7 Prozent weniger als Männer. Sie erhalten 40 Prozent weniger Pension, arbeiten oft in Teilzeit und sind stärker von Armut betroffen. Des Weiteren verrichten sie einen Großteil der nicht bezahlten Arbeit und stoßen oftmals auf dem Weg zu Führungspositionen an gläserne Decken. Frauen müssen in allen Bereichen der Gesellschaft besser repräsentierte sein und es muss dafür Sorge getragen werden, dass eine Chancengleichheit zwischen den Geschlechtern besteht. Auf allen Ebenen.   

ÖGB sowie auch DGB fordern daher, dass die Rechte der Frauen auch weiterhin gestärkt werden. Renate Anderl, ÖGB-Vizepräsidentin und Frauenvorsitzende des ÖGB äußerte sich zum diesjährigen Frauentag wie folgt: „Frauenrechte mussten hart erkämpft werden. So wurde erst nach jahrzehntelangem Kampf, vielen Demos und Streiks vor 100 Jahren das Frauenwahlrecht in Österreich eingeführt. Seitdem hat sich viel verbessert, von einer echten Gleichstellung sind wir aber immer noch entfernt. Frauen brauchen auch heute bei allem, was sie fordern, viel Durchhaltevermögen“. Um die Situation der Frauen zu verbessern, braucht es daher aus Sicht der ÖGB- Frauen Maßnahmen wie: Der Ausbau von flächendeckender, leistbarer Kinderbetreuung. Die Einkommenstransparenz auf betrieblicher Ebene muss weiterentwickelt werden und die geschlechtergerechte Aufteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit muss gefördert werden. 

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