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EGB: Crowdworker verdienen besseren Schutz

ArbeitnehmerInnen finden in Digitalisierungsstrategie der EU-Kommission keine Beachtung

Die Digitalisierung ist eine der größten Herausforderungen für den europäischen Arbeitsmarkt. Immer mehr Beschäftigte arbeiten abseits klassischer Dienstverhältnisse von zu Hause aus und verkehren direkt mit den Auftraggebern über Onlineplattformen. Oft ist unklar in welchem Rahmen die Dienste erbracht werden, ob Plattformbetreiber als Arbeitgeber zu sehen sind und welche Rechte die Beschäftigten ihnen gegenüber haben. Zur großen Rechtsunsicherheit kommt noch, dass viele Plattformbetreiber länderübergreifend tätig und somit schwer greifbar sind und auch überhaupt keine Pflichten tragen wollen. Anstatt Klarheit zu schaffen und europaweite Regeln zu schaffen, verschließen die europäischen Entscheidungsträger die Augen vor dem Problem. Auf dem letzten Gipfeltreffen zum „Digitalen Europa“ wurden die „immensen Chancen“ für Wachstum und Beschäftigung bejubelt, die prekären Arbeitsverhältnisse von Crowdorkern aber nicht einmal erwähnt.

Hier muss dringend Bewusstsein geschafft werden. Der EGB wendete sich daher letzte Woche mit einem öffentlichen Appell an die EU-Kommission: Die digitale Agenda muss auch soziale Rechte und ArbeinehmerInnenschutz umfassen.

Im Detail heißt das:

- Europäische Gesetze müssen Mindeststandards für die Arbeitsbedingungen von PlattformarbeiterInnen festlegen um Sicherzustellen, dass die Plattformbetreiber auch Verantwortung für ihre MitarbeiterInnen übernehmen. Aktuell sind viele von ihnen zu Unrecht selbständig beschäftigt.

- Die Kommission muss ihren Vorschlag für die Revision der Written Statement Directive (Richtlinie über schriftliche Erklärungen) überarbeiten. Plattformbetreiber sollen wie alle anderen Arbeitgeber auch, den Angestellten ihre Arbeitsbedingungen schriftlich vorlegen müssen.

Plattformanbieter müssen als Arbeitgeber behandelt werden

In der aktuellen Stellungnahme des EGB findet dies noch weiter Ausdruck: „Online Plattformen werben mit großer Freiheit, während in der Realität ArbeitnehmerInnen über ein extremes Ausmaß an Kontrolle, schlechte Bezahlung, mangelnde Verhandlungsmöglichkeiten über Löhne, prekäre Arbeitsbedingungen und fehlende Kranken- und Unfallversicherung klagen.“

„Viele PlattformarbeiterInnen sind nicht selbständig beschäftigt, auch wenn sie von vielen der Plattformen so behandelt werden“, kritisierte Thiébaut Weber, Politischer Sekretär des EGB. „Tatsächlich werden aber Bezahlung, Arbeitsbedingungen und der Umgang mit geistigem Eigentum von der Plattform bestimmt. Wir brauchen dringend EU-Gesetze, die dieser Scheinselbständigkeit einen Riegel vorschieben und Plattformen als reguläre Arbeitgeber in die Pflicht nehmen.“

Esther Lynch, ebenfalls Politische Sekretärin des EGB, fügte hinzu: „Die Richtlinie über schriftliche Erklärungen muss auf Onlineplattformen ausgedehnt werden. Nicht nur um die betroffenen ArbeitnehmerInnen besser zu informieren, sondern auch um grundlegende Arbeitsrechte sicherzustellen. Ich fordere die Kommission daher dazu auf, die Richtlinie an die modernen Gegebenheiten anzupassen und unseriösen Beschäftigungsmodellen ein Ende zu bereiten.“

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