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Jahresbericht der Kommission zur Beschäftigung und sozialen Lage in Europa - Situation junger Menschen bleibt weiterhin schwierig

Generation arm und arbeitslos?

Die Europäische Kommission hat diese Woche ihren jährlich erscheinenden Europäischen Beschäftigungs- und Sozialbericht für 2017 veröffentlicht. Die gute Nachricht ist, dass die Beschäftigungsquote mit über 234 Millionen erwerbstätigen Menschen in der EU heute höher ist als je zuvor. Die schlechte Nachricht ist, dass trotz der positiven Trends deutlich wird, dass es die jüngeren Generationen deutlich schwieriger haben: Sie finden nur mit Mühe einen Arbeitsplatz und arbeiten häufiger in atypischen und prekären Beschäftigungsformen, was einen geringeren Sozialschutz zur Folge hat. Das geht aus dem vorgelegten Jahresbericht zur Beschäftigung und zur sozialen Lage in Europa hervor, dessen Schwerpunkt dieses Jahr auf der „Generationengerechtigkeit“ liegt.

EU-Sozialkommissarin Marianne Thyssen kommentierte: "Dieser Jahresbericht macht erneut deutlich, dass wir uns auf dem Weg zu mehr Beschäftigung und Wachstum befinden. Allerdings wird es den jungen Menschen von heute und ihren Kindern möglicherweise schlechter gehen als ihren Eltern. Das wollen wir nicht und deshalb müssen wir rasch handeln. Durch die europäische Säule sozialer Rechte wollen wir unsere sozialen Standards und Lebensbedingungen für künftige Generationen erhalten und verbessern."

Steigende Arbeitslosenquoten in Österreich

Die Arbeitslosenquote sank in den meisten Mitgliedstaaten im Jahr 2016. Nur in Österreich und Estland stieg sie im Jahr 2016 um rund einen halben Prozentpunkt an. Auch die Zahl der Langzeitarbeitslosen nahm in den meisten ab Mitgliedstaaten ab und nur in zwei Ländern, Österreich und Luxemburg, stieg die Zahl der Langzeitarbeitslosen im letzten Jahr. Die Jugendbeschäftigung hat, wenn auch nur gering, zugenommen: Im Jahr 2016 lag sie bei 50.7% im Vergleich zu den 47.7% aus dem Jahr 2013. Die Unterschiede innerhalb der EU bleiben weiterhin enorm: Während in Österreich, dem Vereinigten Königreich, den Niederlanden und Malta die höchsten Beschäftigungsquoten bei Jugendlichen gemessen werden und zwar zwischen 66-70%, sind die Zahlen in Griechenland und Italien weiterhin bei unter 30%. Angesichts der demografischen Entwicklung wird die junge Generation zudem eine „doppelte Bürde“ tragen, denn die Rentenbeiträge werden aller Voraussicht nach steigen, die Rentenbezüge hingegen sinken. Dies begründete Sozialkommissarin Thyssen mit der schrumpfenden Erwerbsbevölkerung, die  bis 2060 voraussichtlich um 0,3 Prozent pro Jahr schwinden wird.

Gewerkschaften fordern neues Wohlstands- und Verteilungsmodell für Europa

Viele der europäischen Gewerkschaftsbünde, darunter auch der ÖGB, hatten den Vorschlag der Kommission zur „Europäischen Säule sozialer Rechte“ kritisiert und gefordert, dass auf die Initiative, deren Kern in erster Linie eine Liste unverbindlicher Grundsätze beinhaltet, konkrete Projekte folgen müssen. Nur so kann die europäische Sozial- und Beschäftigungspolitik erweitert werden, um ein neues Wohlstands- und Verteilungsmodell möglichen zu machen.  Der ÖGB fordert deswegen nicht nur die Ausweitung ambitionierter und verbindlicher sozialer Mindeststandards, sondern darüber hinaus auch ein soziales Fortschrittsprotokoll, das im Rahmen der EU-Verträge verankert wird und festlegt, dass soziale Grundrechte im Zweifel Vorrang vor Marktfreiheiten und Wettbewerbsregeln haben. Die europäischen Sozialpartner können hier einen wichtigen Beitrag zur Überwindung der größer werdenden Kluft zwischen den jüngeren und älteren ArbeitnehmerInnen leisten, um einen gerechteren Arbeitsmarkt für alle Generationen zu fördern.

Hintergrund

In dem jährlich erscheinenden Europäischen Beschäftigungs- und Sozialbericht werden die neuesten Trends im Beschäftigungs- und Sozialbereich analysiert und Überlegungen zu sich abzeichnenden Problemen und möglichen politischen Reaktionen darauf angestellt. Dieser Bericht ist der wichtigste Bericht der Europäischen Kommission zur Dokumentation und Analyse sowie zur Auswertung von Trends und bevorstehenden Herausforderungen auf dem Arbeitsmarkt.

 

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