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Besser gebildet, schlechter bezahlt

Österreich geht als reiches Land mit schlechtem Beispiel voran

Die EU will in Zukunft entschiedener gegen die nach wie vor eklatanten Lohnunterschiede zwischen männlichen und weiblichen Beschäftigten vorgehen. "Zutiefst besorgt" zeigte sich die zuständige Kommissarin Viviane Reding am Freitag (5. März) über den Umstand, dass sich der so genannte "Gender Pay Gap" in der EU in den letzten 15 Jahren kaum verringert habe und in manchen Mitgliedstaaten gar im Zunehmen begriffen sei. Gerade in Krisenzeiten könne man sich "derartige Kosten" nicht leisten, so Reding bei einer Pressekonferenz.

Österreich als negativer Spitzenreiter
Im EU-Schnitt verdienen Frauen fast ein Fünftel (18 Prozent) weniger als ihre männlichen Kollegen. Das Bild ist aber EU-weit sehr unterschiedlich: So gehört Österreich zu den Staaten mit dem größten Unterschied bei der Bezahlung von Frauen und Männern: Der Lohnunterschied betrug 2008 stolze 25,5%. Damit gewinnt Österreich Bronze, - nur in Estland (30,3%) und in Tschechien (26,2%) war die Differenz 2008 noch größer.

Geringste Lohnunterschiede in Italien und Malta
Auch in den drei größten Volkswirtschaften der EU - Frankreich, Großbritannien und Deutschland - liegen die Lohnunterschiede deutlich über dem EU-Durchschnitt, mit Deutschland an der Spitze (23,2%). Am geringsten fallen die Lohnunterschiede in Italien (4,9%) und Malta (9,2%) aus, allerdings sind dort auch die Frauen-Beschäftigungsquoten die niedrigsten in der EU.

Zusammenhang Beschäftigungsquote/Teilzeit und Lohngefälle
Die aktuellen Lohnunterschiede reichen EU-weit also von unter 10% bis über 30%, was doch die Frage aufwirft, wie eine derart große Spannweite möglich ist. Die Statistik gibt hier, neben den gängigen Argumenten wie Verfügbarkeit von Betreuungseinrichtungen, kulturelle Präferenzen, etc., einige weitere Anhaltspunkte:

  • In den meisten Ländern mit unterdurchschnittlicher weiblicher Beschäftigungsrate liegt das Lohngefälle ebenfalls unter dem Durchschnitt, was den Umstand reflektieren könnte, dass insgesamt ein geringerer Anteil an schlecht-qualifizierten Frauen schlecht verdient.
  • In Ländern mit einer hohen Teilzeitquote (wie in den Niederlanden, Österreich oder Großbritannien) fallen die Lohnunterschiede tendentiell höher aus. 

Kommissarin Reding: Arbeitgeber unter Druck setzen
Vor diesem Hintergrund hat die neue Kommissarin für Justiz, Grundrechte und Bürgerschaft nun die zweite Phase der von der EU-Kommission im März vergangenen Jahres initiierten Gleichberechtigungskampagne zum Thema gleicher Lohn für Männer und Frauen eingeleitet und neben einer aktuellen Eurobarometer-Umfrage neue Maßnahmen vorgestellt. Alle "zur Verfügung stehenden Mittel" sollten künftig genutzt werden, um das Lohngefälle zu reduzieren, so Reding. Unter anderem solle von nun an mehr Druck auf die Arbeitgeber ausgeübt werden, ihre Lohnstrukturen ausgewogener zu gestalten.

Barroso ist stolz auf seine Frauen
Kommissionspräsident José Manuel Barroso wies auf eine neue "Frauencharta" hin, die im Moment in Vorbereitung sei. Auch sei er stolz auf seine 9 Kommissars-Kolleginnen (= ein Drittel) sowie auf den weiblichen Anteil der gesamten KommissionsbeamtInnenschaft: Dieser betrage 53%.

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